Bennos Geschichte


Für mich und Marcel noch immer unfassbar… Seit dem 4. August ist Pepe nicht mehr allein im Sternenhimmel, sein kleiner Bruder Benno folgte ihm…

Eigentlich sollte diese Gedenkseite einzig und allein für Pepe sein, haben wir doch nie daran gedacht, dass wir noch einmal ein Kind hergeben müssen.

Hier die traurige Geschichte von unserem kleinen Benno.

Im März 2010 kam unsere Tochter Betty gesund auf diese Welt. Da durften wir dieses größte Glück auf Erden endlich auch erleben, ein Kind hier bei uns zu haben. Jeden Tag danken wir für dieses Wunder.

Schon kurz nach der Geburt von Betty kam in mir der Wunsch hoch, noch ein weiteres Geschwisterchen für Pepe und Betty zu bekommen. Marcel und ich waren uns in diesem Wunsch einig.

Im Mai 2011 war es dann soweit, wir hielten wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Wir waren schwanger .…


Wir wussten, dass bei uns ein Wiederholungsrisiko von 25 Prozent bestand, dass unser Kind ebenso wie Pepe das Potter-Syndrom haben könnte. Dessen waren wir uns bewusst. In der Schwangerschaft mit Betty konnte ich keinen Tag so recht genießen. Die Angst war mein ständiger Begleiter. In dieser Schwangerschaft jedoch war ich so zuversichtlich, dass wir im Januar ein gesundes Kind im Arm halten würden. In der 6. Schwangerschaftswoche hatte ich den ersten Termin bei meiner Gynäkologin. Sie bestätigte mir die Schwangerschaft und ich bekam das erste Foto von unserem kleinen Bauchzwerg. Von dem Tag an war ich nun alle zwei Wochen zur Kontrolle. Ich durfte mich jedes Mal eines Ultraschalls erfreuen und sehen wie toll sich unser Kind entwickelte…




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Der errechnete Geburtstermin war der 22. Januar 2012. Wir wussten auch schon, dass dieses Kind zwei Wochen zeitiger per Kaiserschnitt geholt werden würde.

Am 12. Juli, da war ich 12+3SSW, hatten wir bei unserem lieben Professor Dr. Stepan in der Uniklinik Leipzig einen Termin zur Chorionzottenbiopsie. Das Prozedere kannte ich schon aus der Schwangerschaft mit Betty und hatte Angst davor. Angst, es könnte etwas passieren, und in mir kam da auch diese "andere" Angst hoch. Was, wenn unser Kind wieder diese schreckliche Krankheit hat …

Bei dieser Untersuchung machte der Professor natürlich auch einen größeren Ultraschall und er sprach seine Vermutung aus, es sähe so aus als wenn unser Bauchzwerg ein Junge wäre…

Das war überstanden! Nun hieß es zwei bis drei Wochen warten, warten auf das hoffentlich erlösende Ergebnis: ALLES IN ORDNUNG. Wir sind noch in der selben Woche in den Urlaub nach Ungarn gefahren. Dadurch hatten wir zumindest Ablenkung und unsere Gedanken kreisten nicht nur um dieses Ergebnis.

Am 27. Juli saßen wir am Frühstückstisch als mein Handy klingelte… Noch bevor ich das Gespräch annahm, sah ich auf dem Display, dass es das Genetik-Labor in Leipzig ist. Mein Herz fing an wild zu schlagen, obwohl ich noch immer von einem positiven Ergebnis ausging. Ich nahm ab… "Frau Fechner, es tut mir leid, ich habe leider keine guten Nachrichten für Sie…" Im gleichen Augenblick schossen mir auch schon die Tränen aus den Augen. Ich konnte nichts mehr sagen und übergab das Handy Marcel, der dann das Gespräch mit der Genetikerin weiter führte. Ich hätte meinen Schmerz am liebsten sofort laut herausgeschrien… aber unsere Betty und zwei andere Kinder saßen mit am Tisch. Ich zog mich mit Marcel in ein anderes Zimmer zurück und musste einfach weinen, weinen, weinen…

In dieser Schwangerschaft war ich von Anfang an so zuversichtlich und so positiv eingestellt, dass mich dieses Ergebnis an den Rand der Verzweiflung trieb. Ich spürte einen unbeschreibbaren Schmerz. Nein, damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Nein, ich wollte nicht schon wieder ein Kind hergeben müssen.

Unser Urlaub sollte eigentlich erst drei Tage später enden, aber nach Urlaub war weder mir noch Marcel noch zumute. Also packten wir unsere Sachen und fuhren heim.

Bei Pepe und Betty hatten wir den Namen bis zur Geburt für uns behalten. Nach dieser Nachricht wussten wir ja nun 100%ig, dass unser Bauchzwerg ein Junge ist. Der Name für unser drittes Kind stand für Marcel und mich schon lange fest und nach diesem Anruf wollten wir aus dem Namen für unseren Kleinen kein Geheimnis mehr machen. Benno, den Namen hatten wir für ihn ausgesucht. So wie bei unseren ersten beiden Kindern, schrieben wir den Namen auf meinen doch schon runden Babybauch und meine Cousine, die mit uns im Urlaub war, machte noch ein paar Fotos davon.



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Wir waren wieder zu Hause. Zu meiner Frauenärztin konnte und wollte ich jedoch noch nicht gehen. Ich brauchte erst noch Zeit für mich, um alles zu verarbeiten und mich mental darauf einzustellen, Benno gehen zu lassen. Meine Hebamme stand uns zur Seite. Sie erklärte und besprach mit uns, was auf uns zukommen wird und welche Möglichkeiten wir haben… … Ich könnte unseren Benno austragen und ihn dann per Kaiserschnitt entbinden oder ihn zeitnah auf natürlichem Wege (mit Einleitung) in den Himmel ziehen lassen. (Da ich schon zwei Kaiserschnitte hatte, könnte ich später nur noch mit Kaiserschnitt entbinden) Das wäre eine Möglichkeit. Könnte ich, könnten wir das? Hätte ich noch einmal diese Kraft? Diese und weitere Fragen schwirrten mir im Kopf herum.

An den folgenden Tagen habe ich irgendwie nur funktioniert. Ich fühlte mich physisch und psychisch schlecht, mir war hundeelend. Ich war verzweifelt und so wütend auf das Ergebnis… Das alles war einfach zuviel für mich und kaum zu begreifen.

Wir hatten schweren Herzens eine Entscheidung getroffen. Am 02. August 2011, sechs Tage nachdem wir die niederschmetternde Diagnose erhalten hatten, ging ich zu meiner Gynäkologin. Wir werden Benno ziehen lassen… Meine Ärztin nahm sich trotz eines vollen Wartezimmers sehr viel Zeit für mich. Sie kam meinem Wunsch nach und machte einen Ultraschall mit vielen Fotos für mich. Eine Schwester filmte diesen Ultraschall für mich mit. Ich war sehr dankbar dafür.

Für den 04. August 2011 hatte ich (und Marcel) den Termin im Krankenhaus zur Geburt für unseren Benno…

In der verbleibenden Zeit bis dahin trafen wir Vorbereitungen. Traurige Erfahrungen hatten wir diesbezüglich ja bereits bei Pepe gesammelt. Wir waren beim gleichen Bestatter. Da Benno unter 500g wiegen wird, muss er nicht auf dem Friedhof bestattet werden, "Bestattungspflicht" besteht erst darüber hinaus. Wir suchten eine schöne Urne aus. Sie wird ihren Platz zu Hause in unserer Gedenkecke finden. Ursprünglich war diese für Pepe, nun wird sie für Pepe und Benno sein. Auf der Urne werden daher die Namen von Pepe und von Benno stehen (Sie wird nur Bennos Asche enthalten.). Meine Mutti und ich bereiteten für Benno ein kuschliges Körbchen vor und Marcel baute einen kleinen Sarg. Den Sarg bemalte ich mit Blumen und Marienkäferchen. Benno sollte einen schönen Abschied bekommen…


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Alle Vorbereitungen waren getroffen. Das beruhigte etwas. Ich selbst war alles andere als ruhig und schon gar nicht beruhigt. Mir ging es nicht so gut. In mir brannte der Schmerz und die Wut darüber, dass wir wieder ein Kind hergeben mussten. Doch ich musste stark sein für Betty, unseren Sonnenschein, die uns ganz doll braucht.

Dann war es soweit… ich bin früh morgens ins Krankenhaus, direkt in den Kreissaal, mit mir Marcel und das Körbchen für Benno…

Ich wurde vorbereitet, auch darauf, dass die Geburt eventuell einige Tage dauern könnte. Auf Grund meiner vorherigen zwei Kaiserschnittgeburten musste mit dem Wehenmittel aufgepasst werden. Mein Körper und auch Kopf waren noch nicht auf Geburt eingestellt.

Um 9.26 Uhr bekam ich das erste Wehenzäpfchen… und später auf Wunsch auch Schmerzmittel…

Bis zum Nachmittag hatte sich an meinen Muttermund noch nicht viel getan. Ich sollte mich darauf einrichten, dass Benno heute wohl nicht mehr geboren werde würde… Die Stunden des "Wartens" auf Benno waren schrecklich, ich fühlte mich so entsetzlich hilflos.

Es wurde Abend und so auch Schichtwechsel für die Hebamme. Damit begann der Dienst für meine Wunschhebamme. Ich kannte sie bereits von meinen Kursen meiner vorherigen Schwangerschaften und dazu ist sie auch die Schwester meiner eigenen Hebamme. Grit durfte hier im Krankenhaus nicht agieren, aber sie konnte mich hier besuchen, und das tat sie auch! Grit kam, um mir und Marcel beizustehen. Das tat gut. Gegen 18 Uhr bekam ich das 3. Wehenzäpfchen… und es tat sich noch immer nicht viel. Der Muttermund war noch geschlossen…

Dann plötzlich kam Bewegung in sie Sache. Ganz schnell und ohne viel Schmerzen wurde Benno punkt 19.30 Uhr friedlich geboren… geboren, um in den Himmel zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt war auch meine eigene Hebamme Grit noch da… beide waren sehr fürsorglich zu uns und unserem kleinen, süßen Benno.




Benno wurde mir sofort in die Hände gelegt. Ich hatte meine Augen geschlossen und brauchte noch einen kleinen Moment bevor ich mir zum ersten Mal Benno anschaute… . Dann sah ich ihn, einen kleinen wirklich perfekten Jungen, unseren Sohn Benno. Er hatte so kleine schöne Hände und Füße. Die Zehen wie beim Papa, das war jetzt schon zu erkennen. Diese kleinen Füßchen haben in meinem und Marcels Herzen große Spuren hinterlassen. Wir lieben ihn ebenso wie unseren Pepe und unsere Betty.

Er wurde auf meinem Bett liebevoll gewaschen, sein Fußabdrücke wurden genommen und er wurde gemessen und gewogen…

*16 cm kurz, 86 Gramm leicht*



Später wurde er in sein Körbchen gelegt, sein Kuscheltuch neben ihm. In den Tagen davor hatte ich es stets an mir getragen. So hatte Benno einen Hauch Mama bei sich. Unser kleiner Benno, er sah so friedlich aus.

Wir ließen unseren Gefühlen freien Lauf, weinten, sagten ihm, dass wir ihn lieben und dass wir ihn immer in unserem Herzen tragen werden. Niemals werden wir ihn vergessen, niemals!



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Vier Stunden hatten wir Benno noch bei uns, in unserer Mitte. Da, wo er doch eigentlich hingehört, zu Mama und Papa. Auch wenn er nicht bei uns bleiben kann, in unseren Herzen wird er ebenso wie sein Bruder Pepe immer sein. Beide sind ein fester Bestandteil unserer Familie.

Am Morgen danach kehrten Marcel und ich heim. Ich fühlte mich so leer und irgendwie war ich das ja auch. Ich weinte viel, die Tränen liefen einfach und mich quälte immer wieder die Frage nach dem WARUM? Warum muss eine Mutter Kinder hergeben, die doch so sehr erwünscht und geliebt werden? WARUM???

Aber wir haben Betty bei uns. Unser Sonnenschein kann nicht wissen, welche Last Mama und Papa gerade zu tragen haben. Und das ist gut so. Allerdings spürt sie, dass mit der Mama irgendwas nicht stimmt. Sie ist da und "fordert" ihr Recht. Ja, Betty zu haben hilft sehr. Sie macht alles irgendwie ein wenig erträglicher. Das umschreibt in etwa meine Gefühlslage. Betty ist da und sie braucht mich und meine Liebe, meine Zuneigung, meine Aufmerksamkeit.

Mit dem Schmerz in uns können und wollen wir Betty nicht belasten. Aber der Schmerz über den Verlust von Benno ist da und ist kein anderer wie bei unserem ersten Sohn Pepe. Benno ist unser Kind, das wir verloren haben. Ein Teil der Außenwelt sieht das ganz anders. Nach dem Gesetz ist Benno noch kein Mensch, weil sein Gewicht noch unter 500 Gramm lag. Man spricht uns unsere Trauer ab.

Nach Pepe hatte man mir eine Kur verwehrt. Jetzt hat meine Krankenkasse mir eine Kur mit dem Schwerpunk Trauerbewältigung bewilligt. Es ist eine Mutter-Kind-Kur, ich werde also mit Betty fahren. Ich hoffe sehr, dass das hilfreich für mich ist. Mir tut dabei mein Marcel leid, denn er muss hier bleiben, ohne mich und ohne Betty. Er geht arbeiten, doch auch er muss mit dem Verlust von Benno zurechtkommen.