Schwangerschaft

Es war das zweite Wochenende im Februar 2008, als mir das erste Mal durch den Kopf schoss, dass ich doch "überfällig" war mit meiner Periode. Wir scherzten noch ein wenig darüber und dann drängte ich diesen Gedanken beiseite und schob die "Verspätung" einfach auf den Stress. Der Gedanke "schwanger!?" ließ mir dann doch keine Ruhe und wir beschlossen, mit einem Schwangerschaftstest Klarheit zu schaffen.

Gesagt, getan. Nach der Arbeit fuhren wir zur Apotheke und kauften einen Test. Zuhause wollte mich zwar fast der Mut dazu verlassen, doch wenn ich Sicherheit wollte, musste ich da nun durch.





Der Test... Was ich sah, waren zwei Striche - und das hieß SCHWANGER!!!




Mir kullerten Tränen, ich war ein wenig verwirrt und wusste nicht, ob ich mich jetzt freuen sollte oder nicht. Kinder wollte ich immer haben, doch das kam mir jetzt doch ein wenig zu überraschend. Wir hatten doch eigentlich immer verhütet!

Während ich an diesem Tag völlig hin- und hergerissen war, war mein Freund Marcel vom ersten Moment an "Feuer und Flamme". Er trug von da an ein Dauerlächeln im Gesicht. Während Marcel ausschließlich begeistert war und von Anfang an bereit für ein Baby, schossen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Was wird mit meiner Arbeit, lässt sich das alles mit einem Kind vereinbaren?

Jetzt wollte ich mir absolute Sicherheit holen und hatte zwei Tage später einen Termin bei meiner Gynäkologin. Ich war unsagbar aufgeregt. Unser Heimtest sollte Recht behalten, meine Schwangerschaft wurde bestätigt und ich erhielt bereits das erste Foto von unserem Baby. Das war in der 5. Schwangerschaftswoche. Nun ist es amtlich, wir werden bald eine kleine Familie sein. Und auch ich war überglücklich.

Wir machten nun kein Geheimnis mehr aus unseren "Umständen" und alle freuten sich mit uns - unsere Familien, unsere Freunde und auch unsere gemeinsamen Kollegen samt Chefs.

Unser Krümelchen sollte für alle Omas und Opas das erste Enkelkind werden.



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15.02.2008
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29.02.2008
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07.03.2008
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28.03.2008
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14.05.2008


In den ersten Wochen meiner Schwangerschaft konnte ich es kaum richtig realisieren, dass in mir ein kleiner Mensch am Wachsen war. Es war wie ein Wunder, fast nicht zu begreifen und doch wahr. Mir ging es auch von Anfang an super, ich hatte keinerlei "Schwangerschaftsbeschwerden".

Am 10. Mai, das war die 17. Schwangerschaftswoche, spürte ich unseren Krümel zum ersten Mal. Es war ein wunderschönes Gefühl. Und ab den nachfolgenden Tagen spürte ich ihn täglich. Dies machte mich durch und durch glücklich.

Am 28. Mai war der Termin zur planmäßigen Feindiagnostik. Wir freuten uns darauf, auch endlich ein 3D Ultraschallfoto zu bekommen und auf die Bestätigung, dass es ein Junge wird.



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3D US 28.05.2008



Die Ärztin sah sehr konzentriert aus, als sie den Organultraschall machte. Dann meinte sie, die Nieren unseres Kleinen wären vergrößert und er hätte eine Harnstauung. Sie versuchte uns zu beruhigen, indem sie uns erklärte, dass das noch nichts Dramatisches sei und erst einmal beobachtet werden müsse. Eindringlich legte sie uns allerdings ans Herz, eine Fruchtwasseruntersuchung zu machen, um alle Risiken auszuschließen. Die Fruchtwasserpunktion wurde schon am nächsten Tag vorgenommen, die Auswertung sollte drei Wochen später erfolgen.



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Am 17. Juni war dann endlich die Auswertung der Fruchtwasseruntersuchung. Wir betraten das Untersuchungszimmer und freudig hielt uns unsere Ärztin schon den Ausdruck mit der Chromosomenauswertung entgegen. Alles wäre in Ordnung, keine Trisomie 21 oder andere Erkrankungen, die auf ein beschädigtes Chromosom zurückzuführen wären.

Sie wollte aber gleich noch einen Organultraschall machen, um zu sehen, was die Nieren unseres Krümels machten und ob die Harnstauung zurückgegangen ist. Der Befund war unverändert. Nach wie vor war die Harnstauung festzustellen und auch die vergrößerten Nieren. Es sollte weiter beobachtet werden.

Dann kam der 03. Juli, ich war in der 25. SSW und hatte einen regulären Termin bei meiner Gynäkologin. Sie schaute ein wenig skeptisch und meinte zu mir, dass das Fruchtwasser stark zurückgegangen sei. Daraufhin schickte sie mich sofort weiter zu meiner anderen Ärztin, der Spezialistin für Pränataldiagnostik.

Da es ein unvorhergesehener und nicht geplanter Arzttermin war, musste ich leider allein dorthin fahren, da Marcel ja auf Arbeit war. In der Praxis angekommen, konnte ich gleich ins Untersuchungszimmer. Meine Ärztin begann mit der Untersuchung, schaute dabei konzentriert und ernst auf den Monitor. Ihr Verhalten sagte mir, dass hier etwas nicht stimmte. Mir liefen bereits die Tränen, weil ich Angst hatte - große Angst. Was war mit unserem Krümel nicht in Ordnung? An diesen Tag fiel auch zum allerersten Mal der Begriff "polyzystische Nieren". Die Ärztin erklärte mir, was das bedeutete und sagte, von nun an müsse ich bzw. unser Krümel engmaschig kontrolliert werden. Nun ergaben auch meine eigenen Beobachtungen einen Sinn. Seit einer Woche hatte sich unser Krümel immer weniger bewegt. Die abnehmenden Kindsbewegungen waren durch das zu wenige Fruchtwasser zu erklären. Wie ernst die Lage war, entnahm ich aus den Worten der Ärztin und es sollte noch viel ernster werden...

Von nun an sollte ich wöchentlich untersucht werden.

Ab jenen Tag konnte ich meine Schwangerschaft nicht mehr genießen. Marcel und ich hatten Angst um unseren Sohn Pepe. Ich konnte nur noch mit dem Herzen einer Mutter denken und wollte Pepe beschützen.

In den folgenden drei Wochen blieben alle Werte relativ konstant. Ende Juli überwies mich meine Ärztin für die Pränatale Diagnostik nach Dresden in die Uniklinik, weil ihre Praxis zwei Wochen Urlaub hatte.



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27. SSW
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Pepes Krankheit machte leider rasante Fortschritte. Inzwischen war kaum noch Fruchtwasser vorhanden und Pepe lag förmlich auf dem Trockenen. Man entschloss sich, Fruchtwasser aufzufüllen, was sich einfacher anhört als es ist.

Es folgten nun tägliche Arzttermine mit weiten Anfahrtswegen (140 Km Hin- und Rückfahrt) und stundenlangen Wartezeiten. Und zweimal wöchentlich wurde Fruchtwasser aufgefüllt. Aufgrund Pepes Erkrankung war abzusehen, dass die Schwangerschaft nicht bis zum eigentlichen Geburtstermin, dem 12. Oktober, dauern würde, und so bekam ich die Lungenreifespritze.

Meine Nerven lagen zu diesem Zeitpunkt schon völlig blank. Die Ärzte in Dresden redeten nicht wirklich viel mit mir, sie taten ihre Arbeit, sagten es sei schwierig, aber keineswegs aussichtslos. Mir klang das alles zu schwammig und ich fühlte mich wie auf verlorenem Posten. Wir wollten eine weitere Meinung, die uns mehr Klarheit bringen sollte, so oder so, denn diese ungewisse Situation war schwer zu ertragen.

Ich recherchierte im Internet und kam über den Namen von Pepes Krankheit auf die Seite der Uniklinik Leipzig.



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01.09.2008 - 34. SSW
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01.09.2008 - 34. SSW
     


Dort hatte ich am 26. August (33/2 SSW) einen Termin bei Prof. Dr. Stepan, Facharzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik. So wie bei allen wichtigen Arztbesuchen war Marcel auch hier an meiner Seite. Dafür war ich gerade bei diesem Termin in Leipzig sehr dankbar, denn hier erhielten wir die große Schocknachricht. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft.

Schon während seiner Untersuchung zog Prof. Dr. Stepan einen Neonatologen hinzu, der seine infauste Prognose leider nur bestätigen konnte. "Infauste Prognose" bedeutet in der Regel, dass der Zustand des Patienten, hier war unser Pepe der Patient, eine Heilung nicht ermöglicht und mit seinem Ableben zu rechnen ist.

Die Aussage war schrecklich, völlig niederschmetternd für uns: Unser kleiner Schatz Pepe würde außerhalb meines Bauches keine Überlebenschance haben. Er habe zwei übergroße Nieren, die gar keine Funktion mehr hätten, durch ihre Größe aber andere Organe wie Magen und Zwerchfell abdrückten. Seine Lungen wären sehr klein und es sei davon auszugehen, dass sie nicht genug ausgebildet wären.

Meine Welt brach zusammen. Ich konnte nur noch weinen, war nicht mehr in der Lage irgendeinen klaren Gedanken zu fassen.

Professor Dr. Stepan war sehr ehrlich zu uns, wofür wir ihm sehr dankbar waren und immer noch sind. Mit klaren, aber einfühlsamen Worten schlug Prof. Dr. Stepan vor, uns nächste Woche in die Uniklinik in Leipzig einweisen zu lassen und die Geburt mit Kaiserschnitt durchzuführen.

Worte können unsere Gefühle nicht wiedergeben. In einem See von Tränen, einem Meer von Traurigkeit, einem Ozean von Hilflosigkeit schienen wir zu ertrinken. Unser so liebevoll hergerichtetes Kinderzimmer würde völlig unberührt bleiben und der Stubenwagen leer. Wir spürten nur noch unendliche Traurigkeit. Trotz allen Schmerzes versuchten wir unsere letzten Tage zu dritt ganz bewusst und intensiv zu erleben.